Unsere Geschichte und unsere Zukunft

Heidi Aeschbacher

2020-08-23

Ich freue mich, heute über die neue historische Schilderung mit dem Titel „Heilige“ zu sprechen.

Der erste Band heisst „Das Banner der Wahrheit“ und umfasst den Zeitraum von 1815–1846. Der zweite Band heisst „Keine unheilige Hand“ und umfasst den Zeitraum von 1846–1893. Für mich persönlich ist das zweite Buch eine grössere Herausforderung gewesen. Aber die Kirche hat auf LDS.Org einen Podcast in Englisch, der in noch mehr Detail über jedes Kapitel spricht als das Buch. Das hat mir sehr geholfen. Das Buch ist nicht als Historisches Lexikon der Fakten, sondern in einer Geschichtenform für 12-jährige und älter geschrieben. Jeder Satz ist historisch durch Geschichtliche Dokumente belegt. Der dritte Band endet mit der Weihung des Schweizer Tempels in Bern. Und dann wird es noch einen vierten Band geben, der unsere Geschichte von 1955 bis Heute erzählen wird.

Als ich die ersten zwei Bände fertiggelesen habe, habe ich mir folgende Fragen gestellt: «Wieso hat die Kirche das Buch Heilige geschrieben»? «Was ist, wenn ich auf etwas stosse, was mir schwer fehlt zu lesen, zu verstehen und zu akzeptieren?» Und «Was möchte der Herr, dass ich hier und jetzt, von unserer Geschichte lerne?»

Ich habe folgendes als Antwort auf meine erste Frage gefunden: Kate Holbrook leitende Historikerin an der Abteilung für Kirchen Geschichte hat in ihrer Ansprache an der «BYU Frauenkonferenz Mai 2020» folgendes gesagt:

“Aufgrund unserer Mitgliedschaft in der FHV sind wir aufgerufen, zu unterweisen, zu inspirieren und zu heilen. Gott muss mit uns kommunizieren, damit wir dies tun können. Offenbarung ist entscheidend für die Sammlung Israels. In gewisser Weise hat uns die Art und Weise, wie wir Geschichte erzählen, in die Irre geführt, um zu verstehen, wie Offenbarung funktioniert. Es gibt eine lange Periode in der amerikanischen Geschichte, in der wir uns nützliche Geschichte als jene Geschichte vorstellten, die uns Menschen zum Verehren gab. Wir haben gelernt, Geschichten zu erzählen, die nur das Bewundernswerte beinhalteten. Dies wirkte sich auch auf die Art und Weise aus, wie wir oft Kirchengeschichten erzählten. Wir haben aufgeräumt, die Personen einfacher und verständlicher gemacht, als sie wirklich waren. Die Aufzeichnungen selbst können unordentlich sein. Wir von der Abteilung für Kirchengeschichte versuchen, Geschichten von echten Menschen in all ihrer Perplexität zu erzählen, indem wir die Momente anerkennen, in denen die Dinge nicht perfekt liefen. Auf diese Weise gewinnen wir ein umfassenderes Verständnis vergangener Ereignisse zurück. Einige Leute begrüßen diese Verlagerung, für andere schafft sie schmerzhafte Herausforderungen. Trotz des Schmerzes, der durch diesen Wechsel entstehen kann, was mir leidtut, glaube ich, dass wir das Richtige tun.“

Kate Holbrook sagte weiter:

“Nur wenige Stunden nach der Gründung der Kirche gebot uns Gott, Aufzeichnungen zu führen. Gott sagte den Kirchenführern nicht, sie sollten nur die einfachen Zeiten oder Handlungen der Mitglieder aufzeichnen, die eindeutig hundertprozentig korrekt waren. Da Menschen in die Geschichte involviert sind, hätte dies zu einer kurzen Aufzeichnung geführt.

Ich finde die Kirchengeschichte inspirierend, weil ich immer wieder die Liebe Gottes darin sehe. Ich sehe auch Menschen, die die Liebe Gottes in sich haben, und Menschen, die einfallsreich sind. Die Kirchengeschichte bringt echte Geschichten in mein Herz.

Wie die Geschichte meiner Großmutter, deren Ehemann sie wiederholt und schließlich endgültig verlassen hat.

Die Kirchengeschichte umfasst die Geschichte ihres Nachkommen, meines Vaters, der gute und schlechte Entscheidungen getroffen hat. Anstatt in Zeiten, in denen sich schlechte Entscheidungen häuften, nachzugeben, versuchte ein Teil von ihm immer wieder, gute Entscheidungen zu treffen. Er telefonierte ein- oder zweimal im Jahr unbeholfen mit mir. Sein Priestertum und seine Tempelprivilegien wurden um die Zeit seines Todes wiederhergestellt.

Die Flamme meines eigenen Mutes wird gestärkt, wenn ich an den Mut denke, denn er brauchte, um diese Wiederherstellungen zu erreichen und diese Anrufe bei der Tochter zu tätigen, die er im Alter von 6 Wochen verlassen hatte. Trotz all der Fehler, die er gemacht hat, möchte ich ihn für die schwierigen Dinge, die er richtig gemacht hat, ehren. Seine Geschichte ist nicht nett, aber noch zu dem das mir seine Geschichte eine Warnung ist, inspiriert er mich auch.“

Ende Zitat

In den Medien sehen wir heute noch Formen der Art von Aufzeichnungen, von denen Schwester Holbrook zu Beginn ihres Vortrags sprach. Wir sehen heute bearbeitete Schnappschüsse von einem bewundernswerten Moment, und wir messen und beurteilen uns an diesen. Wir lesen nur bewundernswerte Geschichten und messen und beurteilen uns daran.

Ich glaube, dies ist ein weiterer Grund, warum die Kirche gewünscht hat, dass wir mit echten Menschen eine vollständigere Geschichte der Kirche erhalten. Echte Leute wie ich und du - mit Schwächen und Dingen zu lernen und überwinden, und Stärken. Ich habe auch gelernt, diese echten Menschen für ihre Stärken zu ehren und zu schätzen, die für mich ein Beispiel dafür sind, was der Erretter und ich gemeinsam tun können.

Aber es braucht Anstrengung.

Meine persönliche Meinung ist dies. In der Kirche mit allen Menschen, die wir hier haben, bekommen wir, durch unsere Kirchenversammlungen eine Grundkenntnis, worauf wir unser Zeugnis aufbauen können. Wir lernen altersgerecht von wichtigen Lehren, damit wir nicht überfordert sind und uns entwickeln können. Wir lernen auch nicht in der ersten Klasse Integralrechnungen und lesen nicht die grossen Klassiker. Aber genau wie wir in der Schule uns dazu entscheiden, unsere Hausaufgaben zu machen und die Zeit zu nehmen, etwas besser zu verstehen, müssen wir auch mit unserer eigenen Entwicklung im Evangelium und unser Zeugnis der Kirche, uns dafür entscheiden Zeit einzuplanen, um etwas tiefer im Evangelium zu studieren, in dem wir unser persönliches Studium machen. Das „Komm und folge mir nach“ ist unsere Hausaufgabe für unsere persönliche Entwicklung in der Kirche. Die Kirche arbeitet sehr daran, uns alle Dokumente zu Verfügung zu stellen, die wir brauchen.

Elder Quinton L. Cook sagt dazu: „Die Geschichte von der Wiederherstellung ist eine Geschichte voller Opfer, Entschlossenheit und Glauben. Wir alle sind Teil der Wiederherstellung und somit der Geschichte der Kirche.“

Nun zu der zweiten Frage, die ich mir gestellt habe. „Was ist, wenn ich auf etwas stosse, was mir schwer fehlt zu lesen, zu verstehen und zu akzeptieren»?

Präsident Uchtdorf hat in seiner Ansprache „Ein Zeugnis vom Licht und Wahrheit bekommen“ folgendes gesagt:

“Nehmen wir einmal an, Sie könnten durch die Zeit reisen und sich mit Menschen unterhalten, die vor tausend oder auch nur hundert Jahren gelebt haben. Stellen Sie sich vor, Sie wollten Ihnen die eine oder andere moderne Technik erläutern, die wir heute für selbstverständlich halten. Was glauben Sie wohl, was diese Leute von uns halten würden, wenn wir ihnen von Jumbojets, Mikrowellenherden und tragbaren Geräten mit gewaltigen, digital gespeicherten Archiven erzählen würden, von Videos unserer Enkelkinder, die wir sofort Millionen Menschen auf der Welt zeigen können?

Einige würden uns vielleicht glauben. Die meisten aber würden sich lustig machen, uns widersprechen oder uns gar schaden oder zum Schweigen bringen wollen. Manche würden mithilfe ihres logischen Verstandes und der ihnen bekannten Fakten beweisen wollen, dass wir uns irren und Unsinn reden oder gar gefährlich sind. Sie würden uns dafür verurteilen, dass wir andere in die Irre führen wollen.

Aber selbstverständlich lägen all diese Menschen völlig falsch. Sie hätten sicherlich gute Absichten und wären aufrecht. Sie wären sich ihrer Meinung wohl auch völlig sicher. Aber sie wären einfach außerstande, klar zu sehen, denn ihnen wäre das umfassendere Licht der Wahrheit noch nicht aufgegangen.”

Matt Grow, ein Historiker der Kirche, zitiert was der englische Historiker L. P. Hartley gesagt hat:

«Die Vergangenheit ist ein fremdes Land; dort gelten andere Regeln.»

Ich füge hier hinzu - und wir sprechen seine Sprache nicht. Das heißt, wir können 1845 oder 1870 oder 1885 nicht mit der Kultur von 2020 vergleichen. Das ist einer der Gründe, weshalb wir persönliche Offenbarung brauchen. Wir brauchen den Heiligen Geist, um zu wissen was wahr ist, und was wichtig ist und was nicht.

Schwester Holbrook hat über Offenbarung gesprochen, über persönliche Offenbarung sowie die Offenbarungen, die der Prophet für unsere Kirche als ganzes bekommt.

Das ist einer der Gründe wieso das ich hier stehe. Ich möchte zu jeder Zeit, wenn ich es brauche, persönliche Offenbarungen vom Herrn bekommen, damit er mich begleiten und leiten kann. Und ich möchte in meinem Leben wissen, dass der Herr zu uns spricht und zu seinem Propheten, damit der Herr einen Teil von meinem Leben hier auf Erden sein kann.

Es gibt keinen Fakten-checker in der Geschichte. Es gibt einfach verschiedene Menschen mit verschiedenen Lebensgeschichten, genau wie heute.

Elder Quentin L. Cook sagt: „Die Geschichte der Kirche kann eine wichtige Quelle des Glaubens sein. Einiges wurde jedoch missverstanden oder übersehen. Manche Leute haben Geschichten aus der Vergangenheit sogar absichtlich falsch dargestellt, um Zweifel zu säen.“

Deshalb folge ich diesen Rat von Matt Grow: «Forscht nach von wo der Bericht kommt».

Aber auch wenn wir etwas aus einem dieser 4 Bände oder auf der Website der Kirche lesen, kann es manchmal sein, dass es etwas, was für uns schwer zu akzeptieren ist, gibt.

Elder Richard D. Scott lehrte uns, wie wir damit umgehen können.

Elder Scott nennt das - Der Prozess der Offenbarung. Er sagte:

„Wenn ich mit einer sehr schwierigen Angelegenheit konfrontiert bin, versuche ich auf die folgende Weise zu verstehen, was zu tun ist. Ich faste…. Ich bete…. Um Schriftstellen zu finden und zu verstehen, die hilfreich sind. Dieser Prozess ist zyklisch. Ich beginne Abschnitt um Abschnitt der Schrift zu lesen.

Ich überlege, was der Vers bedeutet und bete erneut um Inspiration.

Dann denke ich nach und bete, um zu wissen, ob ich alles erfasst habe, was der Herr von mir möchte. Oft kommen mehr Eindrücke mit einem besseren Verständnis.“

Das geht Hand in Hand mit dem, was unser Prophet Präsident Nelson uns lehrt: «Ihn höre». Wenn wir auf den Geist hören und den Charakter von Jesus Christus kennen, wird unser Verstand eröffnet und der Geist wird uns bestätigen was wahr ist.

Nun zu meiner dritten Frage: «Was möchte der Herr, dass ich hier und jetzt von unserer Geschichte lerne»?

Ich habe folgendes Zitat von Brené Brown, einer amerikanischen Autorin, gefunden und es dient hier als Brücke zu unserer heutigen Zeit:

“Wir besitzen entweder unsere Geschichten oder sie besitzen uns.

Nur wenn wir den Mut haben, unsere Geschichte zu besitzen, können wir ein schönes neues Ende unserer Geschichte schreiben.“

Rio Grange, Fotografin, Grafikdesignerin, Outdoor-Enthusiast, Frau und Mutter, hat folgendes geschrieben:

«Ich gehöre zu einer weltweiten Kirche, die eine unvollkommene Vergangenheit voller unvollkommener Menschen hat. Ich weiß manchmal, dass es schwierig sein kann, das auszusitzen. Aber das ist es auch, was es so schön macht ... zu sehen, wie Gott ... die Schwachen und Einfachen nutzt, um seine Absichten zu verwirklichen. Diese Wahrheit ist ein Zeugnis dafür, dass es Gottes Kraft ist, nicht die des Menschen, die sein Werk auf dieser Erde vollbringt.”Ende Zitat

Durch mein persönliches Studium unserer Kirchen Geschichte habe ich gelernt, dass wir immer noch heute in 2020, Menschen sind. Wir tun Gutes und Schlechtes genau wie diejenigen aus der Kirchengeschichte, und genau wie jeder innerhalb und ausserhalb der Kirche, damals und heute.

Rio Grange sagte weiter: « Es brauchte ein Wunder nach dem anderen; um das Buch Mormon hervorzubringen. Und wo es Wunder gibt, gibt es auch Widerstand.” Ende Zitat

Ich sehe Wunder in unsere heutige Zeit unser Prophet hat an der letzten Konferenz gesagt, dass wir Wunder sehen werden, den wir noch nie gesehen haben. Aber ich bin mir bewusst, dass es auch Opposition geben wird. Und die echten Menschen in unseren Kirchen Geschichte sind mir ein Vorbild dafür.

Ich habe auch gelernt, dass der Herr seine Kinder immer und immer wieder gebeten hat, etwas zu tun, wovon sie nicht gewusst haben warum, und dass es wahren Glauben gebraucht hat, es trotzdem zu tun. Ich respektiere meine Vorfahren für ihren Mut und ihre Opfer. Ich lerne, von ihrem Beispiel und es gibt mir Mut.

Und zu aller Letzt habe ich gelernt, dass obwohl in unsere Geschichte Dinge passiert sind, die wir lieber hätten, sie wären nicht passiert, die Verheissung des Herrn, wie die Propheten uns Kund getan haben, dass nichts aber gar nichts dieses Werk aufhalten wird… Denn er ist Gott und es ist sein Werk.

Das Bewusstsein, dass Menschen nicht perfekt sind, öffnet mein Herz zu allen Menschen, innerhalb und ausserhalb der Kirche, und zu mir selbst.

Ich bin dankbar für die Inspiration und Offenbarungen von unserem Propheten in schwierigen und guten Zeiten, und werde ihm folgen, nicht blind, aber im Glauben. Ich bin dankbar in einer Kirche zu sein, wo ich Bündnisse eingehen kann mit meinem Herrn und dem Erretter. Bündnisse, die mir eine ewige Familie ermöglichen. Bündnisse, die mir die konstante Begleitung des Heiligen Geistes, so dass ich persönliche Offenbarungen und Inspiration bekommen kann, ermöglichen. Bündnisse, die es möglich machen, dass ich das Priestertum und alle Segnungen, die ich und meine Familie dadurch bekommen, in meinem Leben haben kann. Ich bin dankbar in eine Kirche zu sein, mit Herausforderung, die mir helfen mich zu entwickeln und zu wachsen. Ich werde weiter im Werk des Herrn voran gehen, und ich werde Licht wählen, ich werde Liebe zu allen Menschen wählen, und ich werde den Herrn Jesus Christus wählen.


Im Namen Jesus Christus. Amen